Thailändische Wildnis

DCIM100GOPROTag 268 bis Tag 286, Dienstag 27.01.2015 bis Freitag 13.02.2015 – Seegers und Co in der „thailändischen Wildnis“ ohne Kühlschrank im Bungalow.

Mum und Dad besuchen mich in Thailand. Mit im Gepäck sind meine Schwester Elena Jennifer, ihr Freund Steffen Manfred und mein guter Kumpel Sascha Björn. Bachpacken Ade, Familienurlaub Hallo! Ich freu mich!

Bangkok – die ersten Tage

Bereits am Flughafen gibt es die ersten Komplikationen…wir finden uns nicht. Problem 1: Ich halte nach dem knallig pinkfarbenen Flugzeug-Fernreise-Trainingsanzug meiner Schwester Ausschau, der normalerweise aus einer Million Menschen schillernd ins Auge sticht und der auch schon in Kapstadt unser Erkennungszeichen war. Leider trägt sie ihn dieses Mal nicht, was zu Problem 2 führt: Die Durchschnittsgröße der Familie Seeger ist exakt identisch mit der Durchschnittsgröße des Otto Normal Thailänders. In Schweden oder Norwegen könnte ich einfach nach den kleinsten Menschen Ausschau halten – das funktioniert in Asien aber leider nicht. Dennoch finden wir uns nach etwas Konfusion. Ich hätte einfach der größten Rauchwolke folgen müssen, denn anstatt mich am Ausgang des Flughafens zu suchen, steuert der komplette Trott natürlich schnurstracks zur erstbesten Raucherecke – lass den Sohnemann doch warten, der rennt schon nicht weg! Man muss Prioritäten setzen!

Im Taxi zahlt sich unsere Durchschnittsgröße dann wiederum aus. Anstelle einfach zwei Taxis zu nehmen, zwängen wir uns allesamt in Eines. In Summe: 6 Europäer, 1 Asiate, 3 Rucksäcke, 4 normale Koffer und gefühlt das komplette Kleiderzimmer meiner Schwester. Sensibel ausbalanciert und logistisch perfekt geladen darf nunmehr keine Tür mehr geöffnet werden. Aber wir fahren ja bloß eine Stunde bis zum Hotel in Bangkok.

Sprachbarrieren und autodidaktisches Lernen

Heute steht eigentlich nur noch ein wichtiger Punkt auf dem Programm: Dad zeigen, wo und wie man das Bier bestellt. Aber als Sascha, Susi und ich zur Bar hinunter kommen, sitzen die Eltern bereits dort und Dad schlürft ein großes Singha. In dieser Hinsicht ist er wohl Autodidakt, weltweit. Ein paar Bier, etwas Curry, durch die Gassen schlendern und zum Abschluss ne Blumenvase voll Long Island – das war’s dann auch schon für den ersten Abend.

Während die Sprachbarriere bei der Bierbestellung quasi nicht existiert, ist sie bei der Äußerung des Wunsches, das Spiegelei auf beiden Seiten gebraten zu haben umso größer. Elena Jennifer verzweifelt am Frühstücksbuffet bis ich zur Hilfe springe und ihr erkläre, dass sie da nur mit Zeichensprache weiterkommt: „Du musst auf das Ei zeigen, Dich dann auf den Boden schmeißen, Dich schnell umdrehen und dabei zzzzzischen!“. Irgendwie vertraut sie mir aber nicht und nimmt es lieber nur einseitig gebraten.

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TukTuk
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Bootsfahrt Bangkok
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Kao San Road Bangkok

Fremdwährung und ihre Tücken

Tuk-Tuk fahren, Sightseeing, Shopping und Feiern – Bangkok hat uns. Dad verliebt sich auf Anhieb in TukTuks. „So eines bau ich mir zuhause!“. Nach zweistündiger Bootstour kommen wir an der Kao San Road an. Es dauert geschätzten 3 Sekunden bis Elena und Steffen verloren sind – Shoppen! Als Ergebnis präsentieren sie eine Stunde später eine Leinenhose, zwei Handtaschen und einen Geldbeutel….für insgesamt 2400,- Bhat (knapp 70,- €)!!! „Der hat gesagt ‚no fake‘ (keine Fälschung)!“ – Achso, na dann ist es sicherlich auch echt, was ihr hier beim Straßenhändler gerade gekauft habt. Die sind alle total vertrauenswürdig! Ich würd mir auch keine Sorgen machen, dass man direkt daneben einen deutschen Führerschein, Reisepass oder Behindertenausweis kaufen kann – die sind sicher auch ‚no fake’. Der Verkäufer hat sich vermutlich zur Ruhe gesetzt bei der Gewinnspanne von 1000 Prozent. Junge, Junge, bei meiner Familie muss man am ersten Tag mit Fremdwährung aufpassen wie ein Fuchs. Das war schon in Kapstadt so, als sie einem Taxifahrer am ersten Tag anstatt 50,- Rand einfach 1000,- Rand in die Hand gedrückt haben. „Stimmt so!“ Der Junge hat für den Tag Feierabend gemacht und seiner Familie ein neues Haus gebaut. Danach wartete er permanent vor der Wohnung meiner Familie, bis sie endlich mal wieder ein Taxi brauchen. Drei Minuten ohne Aufsicht und fast Pleite! Schnell weg hier.

Mit Hang-Over im Königspalast

Abends sind wir dann zurück auf der Kao San – weniger zum shoppen, mehr zum Feiern. Was allerdings keineswegs günstiger ausfällt als die Shopping-Eskapade meiner Schwester. Wenigstens haben wir von den Wodka Eimern am nächsten Tag einen echten, unverfälschten Kater…wirklich no fake! Der geplante Besuch des Königspalastes fällt fast für alle Teilnehmer des Vorabends flach. Sascha, Susi, Elena und Steffen bleiben auf den Zimmern – sogar der Weg zum Hotelpool birgt eine zu große Anstrengung, man müsste ja zum Fahrstuhl laufen. Ich hingegen quäle mich heraus und gehe mit den Eltern auf Sightseeing Tour. Und was gibt es bei einem Kater besseres als hundertfach fotografierende Touristen um einen herum. Ein Traum! Mein Dad fotografiert auch hundertfach – allerdings nicht den Königspalast, die Stupa oder Tempel, sondern die „tollen Bäume, den schönen Garten und die perfekt geschnittenen Hecken“! Würde man die Fotos aller Besucher auswerten, wäre auf unserer Kamera sicherlich ein signifikanter Unterschied festzustellen und kein Indiz auf den eigentlichen Ort der Aufnahme zu finden.

Unterwegs mit meinen Eltern wird mir erneut bewusst, wie enorm talentiert die Ureinwohner Thailands sich anstellen, wenn es darum geht, Touristen Geld aus der Tasche zu ziehen. Als Backpacker mit zerrissenem T-Shirt kommt man noch relativ unbeschadet davon. Anders mit meinen Eltern. Eine Taxifahrt ganz offiziell mit Taximeter ist gänzlich ausgeschlossen. Fährpreise sind Mondpreise und wirklich jeder Schlepper auf der Straße spricht Dich an. Ein Beispiel gefällig: 15,- Bhat / Person ist der normale Preis für ein Fährticket zwischen den Touristenattraktionen (vorher schon so gemacht). Mit meinen Eltern liegt der ‚normale’ Preis für drei Person bei 1500,- Bhat – knapp das Hundertfache! Für eine 10 Minuten Fährfahrt. Und alle um uns herum bezahlen bereitwillig!

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Full Moon Party Eimer
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Eulen im Mond
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Nachtmarkt Tongsala

Zum Vollmond nach Ko Phangan

Zweite Station: Ko Phangan zur weltbekannten Full Moon Party. Unser Hotel: Das Best Western circa 5 Gehminuten vom Party Strand. Die Unwissenden: Meine Eltern. Allgemein könnte man vermuten, dass es im Best Western eher gesittet und ruhig zugeht. Nicht aber auf Ko Phangan. Nicht zur Full Moon Party. Bereits bei der Ankunft muss jeder Gast unterschreiben, dass er für etwaige Verschmutzungen von Bettlaken, Handtüchern oder Decken aufkommt. Die feine elektronische Musik in einer Lautstärke von knapp 100 Dezibel am Hotelpool wird lediglich zur Mittagsruhe abgestellt – Dad erkundigt sich bereits nach wenigen Stunden nach einem Baumarkt, um einen Seitenschneider zu kaufen, mit dem er die Boxenkabel durchschneiden kann. „Bleib ruhig Dad, das ist quasi die Andrea Berg der jungen Leute!“ – „En Krach isch des!

Zudem entwickle ich das Gefühl, dass Full Moon Touristen…wie will ich es vorsichtig ausdrücken…weniger anspruchsvoll oder pingelig bei der Essensauswahl sind. Die Restaurants servieren keineswegs was bestellt wird, sondern was gerade weg muss. Das bestellte rote Curry ist Grün, die Garlic & Pepper Soße erinnert an einen schäbigen Abklatsch von Annelie’s Rumpsteak Soße (übrigens die beste Rumpsteak Soße ever!) und die vegetarischen Nudeln sind mit Huhn. „Ähm sorry, wir wollten vegetarisch!“ – „Vegetarisch ist leider aus, hab daher mit Huhn gebracht!“ – WTF?! Wie kann vegetarisch aus sein, wenn es mit Huhn gibt? Das Huhn ist eine EXTRA Zutat die rein muss! Den typischen Partygänger interessiert das wohl weniger und er denkt: ‚ist was zu essen, passt!‘. Wenigstens war Dad’s Pfeffersteak ein Pfeffersteak. Scheiß Musik UND schlechtes Essen wäre zu viel gewesen. Und zum Glück funktioniert hier die Singha Bestellung genauso wie in Bangkok.

Für die Erkundung der kompletten Insel leihen wir uns Roller. Gemeinsam mit Manuel, Lisa, Timo und Selina (mein Cousin plus Anhang hat mich auch noch mit einem Besuch überrascht!) fahren wir zwei Tage Kreuz und Quer über Ko Phangan, relaxen an ruhigen Stränden, shoppen in Tongsala und essen kulinarische Köstlichkeiten und Käfer auf dem Nachtmarkt.

Wo ist denn mein Roller?

Roller und Ko Phangan ist übrigens so eine Sache. Diesmal trifft es Steffen. Nicht nur, dass er gänzlich untermotorisiert ist und zusammen mit meiner Schwester am steilen Berg absitzen und schieben muss. Er findet seinen Roller nach einer Shopping Tour nicht wieder. Der Parkplatz wurde kurzfristig zum Nachtmarkt umgebaut und sein Roller einfach weggeschoben. Ohne Kennzeichen und bei der Flut an Rollern ist das eher suboptimal und bedarf einer längeren Suche. Sascha und ich kennen dieses Dilemma. Bei unserem letzten Ko Phangan Aufenthalt suchten wir am Morgen nach der Full Moon Party auch vergebens Sascha’s Roller. Den hatte aber keiner umgeparkt – wir waren einfach zu betrunken, um uns an den richtigen Parkplatz zu erinnern. Farbe: Könnte rot gewesen sein…oder blau. Kennzeichen: Keine Ahnung…irgendwas mit Zahlen und Buchstaben. Anzahl Roller in Had Rin: Hunderte. Lösung: Einfach mit dem Schlüssel an jedem einzelnen Roller in ganz Had Rin testen. Wirkt überhaupt nicht verdächtig. Naja, nach der Full Moon vielleicht wirklich nicht. Daher wurden wir nicht eingesperrt, sondern Einheimische halfen uns bei der Suche. Leider erfolglos und wir mussten am Tag später nochmals zurück kommen und den Roller suchen, als die Parkplätze ein wenig leerer waren.

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Biker Gang Chapter Phangan

 

Nach 6 Tagen Party Insel freuen wir uns jetzt auf eine Weiterreise nach Koh Samui, wo wir es wesentlich entspannter angehen lassen werden und Dad keinen Seitenschneider kaufen muss. Kurz vor Abreise, gibt es dann doch noch eine erstaunliche Entdeckung. Elena stellt nach 6 Tagen im Bungalow fest, dass sie eine Minibar und einen Kühlschrank hatten. „Ich wunder mich die ganze Zeit, wo Ihr die kalten Getränke her habt! Hab gedacht Ihr seid immer zu 7/11 gelaufen.“. Ernsthaft Schwester? Du hast geglaubt, wir haben die halb volle Wodka Flasche bei 7/11 gelagert bis wir wieder was trinken wollen? Respekt. Ich selbst bin allerdings auch nicht viel cleverer, vertrauen ich meine Wäsche doch eben dieser Schwester zum Waschen auf Koh Samui an. Dazu aber mehr im 2. Teil von Seegers und Co in der thailändischen Wildnis…

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