Next Stop – Kathmandu Nepal…vielleicht

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Tag 149 bis Tag 151, Montag 29.09. bis Mittwoch 01.10.2014 – “Das Boarding verspätet sich um einige Minuten” beziehungsweise, wie entspannt es sich ohne Zeitdruck aber mit einem Lächeln reisen lässt!

Montag, 29.09: Die zweite Etappe meiner Reise beginnt – Eine Trekking-Tour im Himalaya Gebirge mit dem Ziel Mount Everest Base Camp. Aber dazu muss ich erst einmal in die nepalesische Hauptstadt Kathmandu kommen. Trixers Auto fällt für diese Reise wohl aus, wenngleich es mich auch sicher durch die Urkraine, entlang am Schwarzen Meer, durch den Iran, Pakistan, Afghanistan und Indien gebracht hätte. Susi wäre allerdings eventuell mit der Navigation überfordert und ehe ich aus Versehen doch bei den Sawahiris, Omars, Bagdadhis oder anderen, liebenswerten Personen der Zeitgeschichte auf einen Tee, zu einer Diskussion über Menschenrechte oder zu einer Hinrichtung eingeladen werde, nehme ich doch lieber das herkömmliche Transportmittel Flugzeug! So ganz ohne terroristische Bedrohung. Die Gesellschaft meiner Wahl dafür: Qatar Airlines – die müssen ja vertrauenswürdig sein, immerhin liefert die Deutsche Rüstungsindustrie ja massenweise friedenserhaltende Kriegsprodukte an diesen Staat.

Selbstverständlich überpünktlich zum Abflug komme ich in Frankfurt an und begebe mich selbstverständlich überpünktlich zum Boarding. Gerade pünktlich genug, um die erste Durchsage zu hören: “Liebe Fluggäste, das Boarding verzögert sich um wenige Augenblicke.” Kein Thema, ich werde noch lange genug sitzen und ein bisschen Füße vertreten ist nicht schlecht. 10 Minuten später: “Liebe Fluggäste, Lufthansa Technik arbeitet noch immer an unserer Maschine, das Boarding verzögert sich noch ein wenig!”. Okay, geplante Abflugzeit ist 22:15, jetzt ist es 21:45. Die werden das Kind schon schaukeln. 22 Uhr: “Liebe Fluggäste, nachdem nun mehrere Passagiere wegen Anschlussflügen gefragt haben…” – mein Gott sind die Deustchen nervös – “…kann ich ihnen mitteilen, dass wir bis spätestens 23 Uhr gestartet sein müssen, da in Frankfurt ein Nachtflugverbot herrscht. Das bedeutet, dass ALLE Anschlussflüge erreicht werden!…” – na also, grundlose Sorgen. Ich hab 6 Stunden Aufenthalt in Doha – …”Natürlich nur, falls Lufthansa Technik, die immer noch an der Maschine arbeiten, das Problem rechtzeitig löst!” Okay, jetzt beginne ich mir doch Gedanken zu machen. Aus dem bisschen Füße vertreten könnten 10 Stunden bis zum nächsten Morgen werden. 22:10…22:15…22:20…22:30: “Liebe Fluggäste, ich bitte um Ihre Aufmerksamkeit, ich werde sie über den weiteren Ablauf informieren!…” – das hört sich verdammt noch mal nicht nach Boarding an – “…Lufthansa Technik konnte das Problem nicht lösen. Die Maschine wird gestrichen…” – na da schau an, jetzt trifft es mich auch einmal; aber im Gegensatz zum Raunen und Stöhnen der neben mir sitzenden Personen bin ich schlichtweg Ruhe und Gelassenheit. Reisen ohne Zeitdruck ist einfach schön. Mir egal, ob ich einen Tag früher oder später ankomme. Qatar besitzt sogar die Höflichkeit, uns direkt ins Sheraton einzumieten, die Köche dort aufzuwecken und die Bar zu öffnen. Zugegeben, diese Höflichkeit ist eher auf gesetzlichen Zwang und EU Recht als auf die menschlich sozial orientierte Unternehmenspolitik von Qatar Airways zurückzuführen, aber es funktioniert und ich finde es toll. Nina, eine Schweizerin auf dem Weg zur Freiwilligenarbeit in Namibia und Tshering, ein Tour Guide aus Nepal sehen es ähnlich entspannt wie ich. Wir haben ein Bett, wir haben kostenlos Essen, wir haben kostenlos Wein und Bier…morgen wird es schon weiter gehen…vielleicht….aber jetzt trinken wir doch erst einmal was auf den Schock.

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Mit Flughafen-Trolly im Sheraton

Dienstag, 9:00 Uhr: Planlos ist Trumpf! Irgendwie hat selbst Qatar Airways extra für mich mein Reisemotto übernommen. Am Aushang hieß es, Flüge sein für Dienstag 11 und 15 Uhr geplant. Der Ausgang sagt mir jedoch, ich fliege erst um 22:15 – also genau einen Tag später als ursprünglich geplant. Am Schalter erfahre ich jetzt, dass ich doch 15:30 Flügen kann, falls ich das wünsche. Ja klar wünsche ich das. Und ich wünsche auch ein Upgrade in die Business Class bitte, sage ich beim Check-In. Dafür muss ich mit Frau Qatar Supervisor sprechen, denn es gäbe viele Gold Card Member auf diesem Flug. Frau Supervisor reagiert zunächst ein wenig widerwillig, aber ich erkläre ihr, dass ich ja kein normaler Fluggast bin, sondern über eine Weltreise schreibe und ich Qatar in meinem Blog liebend gerne positiv erwähnen würde. Und tatsächlich gibt sie mir auf der Upgrade-Liste den ersten Platz, jetzt muss nur noch der Flieger überbucht sein und ich darf meinen ersten Business Class Flug erleben. Aber mit dem Glück ist das ja so eine Sache. Zurück im Hotel bemerke ich die Preisliste der Minibar, aus der wir nachts noch Wein und Wasser getrunken haben…und da haben wir wieder die Geschichte mit dem Glück: 0,25l mittelguter Weißwein – 12,80 € und 0,5l “Hahnenwasser” 5,50 € – da hätte ich auch gleich selbst das Zimmer bezahlen können.

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Sheraton Minibar Preisliste

Ein Deja Vu vom feinsten erleben wir, als wir unserem Gate näher kommen und eine altbekannte Stimme über die Lautsprecher höre: “Liebe Gäste der Qatar Airways, das Boarding wird sich heute ein wenig verzögern…!” Darf das wahr sein? Immerhin ist es erst 14:45 und bis zum Nachtflugverbot werden die den Schubumschung, die Toilettenspülung oder die Aircondition für die Piloten doch hinbekommen haben – wobei heute natürlich Streiktag bei Lufthansa ist. Wir werden sehen. Und es läuft, bzw. fliegt. Nur leider ist die Maschine nicht überbucht, in der Eco sind mindestens noch 20 Plätze frei. Kein Business Class Glück für Daniel.

22:30: Ankunft in Doha. Ich stelle fest, mein Weiterflug ist um 08:30 – das sind 10 Stunden am Flughafen Doha!!! Da hätte ich auch noch ne Weile im Sheraton bleiben und mit der 22:15 Maschine fliegen können. Qatar, ihr seid Schlitzohren. Wenigstens gibt es in Doha unzählige Ruhelounges mit vernünftigen Liegen, in denen ich versuche, ein wenig zu schlafen. Boah, ist das kalt in den Ruhelounges. Sie sind herunter gekühlt auf gefühlte 5 Grad – so kalt erwarte ich es nicht einmal im Himalaya und meine ganze Ausrüstung ist im Gepäck. Schande. Schlafen ist hier leider unmöglich. Also laufe ich wieder durch den Flughafen…nur noch 7 Stunden! Wenigstens ist es warm. Ach scheiß drauf, ich bin so müde, ich lege mich jetzt auf irgendeinen dieser Kinderspielplätze…da ist der Boden weich und es ist einigermaßen warm.

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Schlafplatz in Doha

Diesmal ist das Boarding pünktlich und ich sitze tatsächlich auf dem gewünschten Platz. 5 Stunden bis Kathmandu. Ich komme dann zwar einen Tag zu spät an, habe aber zum Glück nur ein Hostel für 5 Euro gebucht. Mein Sitznachbar stellt sich als Nepali aus London vor und fragt tatsächlich, ob ich auch nach Nepal fliege? “Nein, ich steige über dem Indischen Ozean aus, hab nur bis Delhi bezahlt. Muss da was erledigen!” – Fragen gibt es. Jetzt werde ich von der Stewardess noch ermahnt, während des Starts, die Jalousien zu öffnen – ist wegen der Sicherheit? Was? Sicherheitsgurt, verstehe ich. Aufrechte Sitze, okay. Jalousien öffnen? Damit ich besser sehe, wenn das Triebwerk neben mit Feuer fängt oder damit ich den Piloten warnen kann, falls wir beim Start Querverkehr haben? Oder soll ich beim Sterben einfach eine gute Aussicht haben?

Mittwoch 15:30 Uhr: Endlich in Kathmandu angekommen. Zum Glück habe ich bereits ein Visum – die Schlange am “Ohne-Visum” Schalter ist 2-3 Stunden lange – vor allem bei der Arbeitsgeschwindigkeit der lokalen Beamten. Es geht tatsächlich noch langsamer als in Deutschland. An meinem Schlager wird zunächst einmal die SMS in aller Ruhe zu Ende geschrieben, ehe man mich anschaut. Die Sicherheitskontrolle ist ebenfalls eine Farce – bei jeder einzelnen Person piepst der Metalldetektor und die Dioden leuchten rot – durchsucht wird keiner. Bei mir machen sie gleich komplett eine Ausnahme und keines meiner Gepäckstücke wird durchleuchtet. Ich werde durchgewinkt. Kathmandu, ich bin da. Die 15 Minuten Fahrt zum Hostel sind bereits beeindruckend. Es is eine komplett andere Welt. Linksverkehr, glaube ich zumindest, denn die meiste Zeit fährt mein Taxifahrer auf der linken Seite. Wobei ich keine eindeutigen Verkehrsregeln erkenne, außer: Hupen beutetet > ich fahre jetzt, mir egal was du machst! Aber es funktioniert. Einen TÜV kennen diese Autos auch nicht, maximal die Hupe wird einer regelmäßigen Inspektion unterzogen, ohne sie ist man hier hilflos.

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Mein Taxi
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Hupe – funktioniert

Im Hosten Zen Bed & Breakfast haben sie keine Ahnung, dass ich reserviert habe. Wie auch, ich habe online reserviert und weit und breit steht kein elektronisches Gerät außer einem kleinen Ventilator, der den Staub der Straße gleichmäßig im Raum verteilt. Reservierungen stehen in einem alten Buch, handschriftlich. “Für welchen Preis denkst Du, dass Du hier schläfst?” – bitte was??? Ich habe richtig gehört. Ich soll ihm sagen, für welchen Preis ich gebucht habe, damit er das dann in mein Aufnahmeformular schreiben kann. Wieder einmal bin ich zu ehrlich und sage wahrheitsgemäß 5,- €. Was ich verschweige ist, dass ich eigentlich einen Tag zu spät ankomme. Aber das weiß hier eh niemand…und interessiert auch niemanden. Eine andere Welt eben!

2 Comments

  1. Haha, das mit den Ruheliegen, deren Räume gefühlt auf 4 °C unter Null runtergekühlt werden, kommt mir bekannt vor. Wir haben damals wenigstens noch Decken bei Qatar Airlines geklaut, sodass es einigermaßen okay war 😀

    Ein toller Blog übrigens. Habe sehr über die “Quickies” gelacht.

    1. Das passiert mir auch nicht mehr, nächstes Mal pack ich meinen Rucksack auch mit Decken voll 😉
      Danke für das Feedback

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