Mount Everest Base Camp Trek – Teil 2

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Tag 156 bis Tag 172, Montag 06.10 bis Mittwoch 22.10.2014 – Von Diversität, Live-Fußball, Sprachbarrieren und Zukunftsperspektiven

Sich der Höhenkrankheit geschlagen zu geben und umzukehren war eine schwere Entscheidung, sollte sich jedoch als Glücksgriff herausstellen. Erstens entflohen wir dem Schneesturm mit 70 cm Neuschnee und zweitens sammelten Jakob und ich auf individuellen Tagestouren letzten Endes doch noch authentische Erfahrungen abseits des Touristen-Highways.

Tagesetappe 9: Upper Pengbosche – Tengbosche (3 Stunden)

Es regnet die ganze Nacht…und auch beim Frühstück ist keine Besserung in Sicht. Wir besuchen also zunächst die älteste Gompa der Khumbu Region und haben das Glück, sogar einen betenden Mönch anzutreffen. Seit 600 Jahren existiert diese Gompa, gegründet vom ersten Lama, der den Buddhismus in diese Gegend brachte. Der Legende zufolge entstanden die Wälder um die Gompa herum aus den Barthaaren des ersten Lama, der bei Ankunft einige seiner Haare in die Winde streute und Wald säte.

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Erste Gompa in Khumbu
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Teddy aus Hawaii

Das schlechte Wetter lässt nicht nach, zum Wandern nutzen wir erstmals unsere Regenbekleidung. Auf halben Weg wollen wir noch ein Nonnenkloster besuchen und erklären unserem Guide, Punscha, unsere Absicht. Er nickt, lächelt und sagt: „No problem!“ – nach 2/3 des Weges fragen wir nochmals nach dem Kloster – „This way, this!“ – kurz vor unserem Tagesziel überkommt uns ein komisches Gefühl und wir fragen erneut – „This way, there!“. Punscha führt uns dennoch schnurstracks zu unserer Lodge in Tengbosche. Der Junge hat absolut nullkommanull kapiert, was wir ihm sagten. Nicken und Lächeln, mehr geht nicht! Zusätzlich kann er wohl die Namen der Dörfer und weiß wo sie sind. Selbst wenn wir nur in Substantiven sprechen ernten wir dieselbe Reaktion. „Way, Monastery, Visit, Nuns!“ – „No problem, this way!“ – wir haben zweifelsohne den schlechtest-sprechenden Guide des ganzen Himalaya abbekommen – Danke Jürgen. Der Englisch sprechende Porter Harka ist nach wie vor bei ihm. Zum Glück sind wir ja alleine Groß.

14 Uhr gehen wir auf eigenen Faust und ohne Super-Guide die Gegend erkunden und finden uns erstmals völlig Alleine in der Natur wieder. 2 Stunden ohne eine Menschenseele auf einem abgeschiedenen Trampelpfad am Ana Dablam. Hier treffen Vorstellung und Realität aufeinander, toll! Okay, es regnet immer noch aber ein bisschen schlecht Wetter schadet ja nicht.

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Trampelpfad
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Hochebende
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Schlechte Sicht

Was ist sonst so passiert: Das bisschen schlechte Wetter schadet scheinbar doch. Bei Tee (ohne Tabletten) und Kuchen treffen wir die Mayers aus Kölle. Offensichtlich sind den ganzen Tag über Rettungshubschrauber unterwegs, um Kletterer vom Island Peak (6.189 Meter) zu retten. Na hoffentlich geht es Jürgen und Bern gut, die sind auf knapp 5.000 Meter.

Die witzige Geschichte des Tages: Dinning Room 17:45 – alles leer…aber sämtliche Plätze um den Ofen sind vorreserviert! Was die Deutschen auf Malle mit ihrem Handtuch erledigen, machen die Chinesen in den Bergen, indem sie einen Sherpa an den Tisch setzen! Und so kam es, dass wir mit dicksten Jacken am entferntesten Platz vom Ofen sitzen. Das einzige, was uns auf die Wärme des Ofens aufmerksam macht, ist das sekündlich von der schimmelbefallenen Decke in unsere Teebecher platschende Tropfwasser! Mmhhh.

Tagesetappe 10: Tengbosche – Namsche (6 Stunden)

Über Nacht wurde aus dem Regen Schnee und das gestern noch grüne Tengbosche ist mittlerweile eine in weiß gehüllte Landschaft mit blauem Himmel und strahlendem Sonnenaufgang über Everest, Lothse und Ana Dablam in der Ferne. Beim Fotos schießen rutsche ich immer wieder aus, aber es lohnt sich. Leider können Bilder diese Eindrücke nicht festhalten oder vermitteln. Aber glaubt mir, so ein Morgen entschädigt für vielerlei Strapazen. Nach einem Müsli mit warmer Milch – die Zeiten der Knoblauchsuppe zum Frühstück sind endgültig vorbei, meine Höhenkrankheit ist überwunden – brechen wir auf nach Namsche. Die beste Medizin gegen Höhenkrankheit ist total simpel: geh 500-100 Höhenmeter nach unten, alles ist gut!

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Unbeschreiblich – Everest, Lothse, Ana Dablam
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Ana Dablam
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Top!
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Flaggen & mehr
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Stapelmann ist dabei

Was ist sonst so passiert: Erster Kaffee (2 Euro) seit 13 Tage, erstes Bier (3,50 Euro) seit Deutschland. Bergab ist so viel leichter und angenehmer als bergauf 😉 Und mit soviel weniger Regeln und Ablaufplänen seit Jürgen nicht mehr dabei ist. Going Crazy!

Die witzige Geschichte des Tages: Jakob ist im Pool Billard genau so schlecht wie ich. Nach knapp 60 Minuten Spiel, unter skeptischer Beobachtung der Locals, nimmt Jakob frustriert die schwarze Kugel und wirft sie in ein Loch: „Du hast gewonnen!“ – mit den Kö waren wir beide dazu nicht fähig. Lag natürlich nur an den krummen Kö, der kantigen Bande und dem schiefen Tisch.

Tagesetappe 11: Namsche – Thame – Namsche (7 Stunden)

Abseits vom Touri-Highway! – so lautet unser Tagesmotto und es ist unglaublich, wie sehr sich unsere heutige Route von den vorherigen Tagen unterscheidet. Kaum Touristen, Lodges, Shops und Sherpa Karawanen, dafür authentische Dörfer, freundliche lachende und an uns interessierte Kinder, Ackerbau, Viehzucht und das einfache Leben als Selbstversorger. In Thamo finden wir auch endlich ein Nonnenkloster. Auf herzlichste Weise begrüßen uns die Nonnen und zeigen uns sowohl die neuen wie auch alten Gebetsräume. Obwohl keine der Nonnen Englisch spricht, ist die Verständigung besser als mit unserem Guide und eine tolle Erfahrung. Ein Wort in Englisch haben sie dann doch schon gelernt: „Donation Box“ (Spendenbox) sagt eine der jüngeren Nonnen unter großem Gelächter aller anderen. Hier spende ich aber auch gerne.

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Stupa
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Alter Gebetsraum
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Typisches Haus
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Warme Dusche
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Best Friends
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Straßenblockade

Was ist sonst so passiert: In der Everest Bakery treffe ich zwei Mädels, die von Ihrem Base Camp Erlebnis erzählen. Sie wagten zwei Tage zuvor bei extrem schlechtem Wetter den Aufstieg. Mit ihnen war eine Frau auf Pferd, da sie selbst nicht mehr laufen konnte. Aufgrund des starken Schnellfalls und eisiger Wege ruschte das Pferd und stürzte eine Klippe hinunter, die Frau konnte sich noch retten, brach sich aber drei Rippen sowie ein Bein. Trotzt des schlechten Wetters wagen viele Menschen den gefährlichen Aufstieg – die Touranbieter stehen unter Druck und reden die Gefahren klein.

Die heute traurige Geschichte des Tages: Über 40 Tote und mehr als 300 Vermisste in der Annapurna Region! Die Unwetter der letzten beiden Tage lösten Lawinen aus und kosteten etliche Menschenleben. Bei den Toten sind es hälftig Ausländer und Sherpas, bei den Vermissten nahezu ausnahmslos Sherpas. In unserer Region sind es ebenfalls 70 cm Neuschnee, der Aufstieg zum Kalapathar wurde gesperrt und Telefon- / Internetverbindungen sind ausgefallen – wir haben keine Idee, wo Jürgen und Bernd sich befinden. Erfahren wir Jürgen ist, wird er aber sicher einen Scheiß machen.

Tagesetappe 12: Namsche – Khumjung – Namsche (7 Stunden)

Keine Wolke am Himmel und traumhaftes Bergpanorama während unseres Aufstiegs zum höchstgelegenen 5 Sterne Hotel der Welt ‚Everest View Hotel‘ mit eigenen Helikopterlandeplatz. Spektakulär ist die steppenartige Landschaft vor dem Hintergrund Everest, Nupse, Lothse und Ana Dablam. Das hätten wir verpasst, wären wir nicht krank geworden. Weiter geht es durch Nadelwälder und über Steppen nach Khumjung, wo die erste, von Sir Edmund Hillary gegründete Schule steht. Ruhig ist es hier. Keine schreienden Chinesen, diskutierenden Amerikaner und fotografierenden Deutschen. Beim Mittagessen schaut uns eine Kuh neugierig auf den Teller, ein Nachbar bestellt gerade mit Pflug und Pferd sein Feld und aus einem anderen Haus hören wir Kinder streiten. Was auffällt: es gibt keine Friedhöfe. Bei permanent gefrorenem Boden ergibt es auch wenig Sinn. Die Bestattung der Toten wird im Buddhismus den Tieren überlassen. Hierzu wird der Körper, der ohnehin nur die fleischliche Hülle darstellt, in kleine Stücke gehackt/zerlegt und auf einem Berg den Aasfressern überlassen.

Auf dem Rückweg passieren wir das Flugfeld Namsche…zumindest soll es das sein. Ich sehe nur Steppe, Gras und viele Steine, naja, zumindest ist keine Felswand am Ende der Landebahn – dafür steht aber ein Pferd Mitten auf ihr. Das wird schon weg gehen, wenn jemand landen möchte (nepalesische Denkweise!).

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Wow
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tolle Landschaft
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Khumjung

Was ist sonst so passiert: Mittlerweile habe ich den dumpfen Eindruck, dass ALLE außer ich auf Dimox sind (starkes Mittel gegen Höhenkrankheit). Jeder Trekker, mit dem ich quatsche, hat selbst Dimox genommen oder mindestens einer aus seiner Gruppe. Viele nehmen es sogar prophylaktisch für den Zeitraum ihrer kompletten Tour. Kein Wunder, dass manche Agenturen den Trip zum Base Camp in 10 oder 11 Tagen anbieten, für den wir 17 Tage veranschlagt hatten. Die rennen völlig ohne Akklimatisierungstage die Berge hinauf und wundern sich dann, dass sie mit dem Helikopter ausgeflogen werden müssen. Auch die Einstellung verwundert mich: „Ich will das Base Camp unbedingt erreichen, dass ist alles für mich!“ sagen sie und quälen sich tagelang mit Kopfschmerzen und Übelkeit den Berg hinauf. Dabei ist letztendlich am Everest Base Camp in dieser Jahreszeit schlichtweg nichts! Kein Zelt, keine Expedition, nicht einmal Sicht auf den Everest! Crazy people!

Die witzige Geschichte des Tages: In Khumjung sah ich Nepalis Dal Bhat mit Fingern essen und in Sandalen im Schnee laufen – ein Smartphone besitzt aber ausnahmslos Jeder! Crazy people 2 – scheiß auf Schuhe, ich brauch Facebook!

Tagesetappe 13. Ruhetag Namsche Bazzar

Keine Tagesausflüge mehr geplant, nur noch warten auf Jürgen und Bernd. Aber in Namsche lässt sich’s aushalten. In der Lodge treffe ich einen Australier (Daniel), der gerade erst aus Lukla angekommen und böse am Fluchen ist. Als Thunfisch-Fischer war er bislang nie weiter als 30 km vom Meer entfernt und schon gar nicht in ‚f…. mountains‘. Sein Chef überredete ihn zur Tour. „Weiß Du Daniel, auf meiner To-Do Liste stand: Einmal nepalesisches Gras rauchen – das habe ich aber in Kathmandu schon gemacht, was soll ich jetzt noch hier in den Bergen?!? Shit!“ Tja Junge, Du bist hier offensichtlich so falsch wie ein Pastor im Puff. Seine Kopfschmerzen bekämpft er erst einmal mit Bier und Zigarette. Sehr gut.

An einem Ruhetag fällt einem ja so einiges auf. Heute mache ich mir über die Beleuchtung der Toiletten Gedanken. Die Lichtschalter sind nie, wirklich nie, in der Toilette, sondern immer außen angebracht. Gestrichen werden sie regelmäßig in Wandfarbe, wohl um sie ein wenig unauffälliger zu machen und nicht selten befinden sie sich sogar zwei Räume entfernt. Nicht nur einmal folge ich dem Kabel, um den Schalter zu finden. In seltenen Fällen endet das Kabel einfach ohne Schalter – die Glühbirne ist wohl mehr Schein als Sein. Nepali-Logik oder Sparmaßnahme!
15 Uhr kommen Bernd und Jürgen zurück! Einen Tag früher als geplant wegen des Unwetters. Ich muss mir keine Gedanken mehr über Toilettenlichter-Logik machen, die Jungs haben viel zu erzählen.

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Sportsbar Namsche
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Metzgerei Namsche
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Satelitten TV Namsche

Was ist sonst so passiert: Bayern gewinnt gegen Bremen mit 6:0 und ich sehe das Spiel live auf 3.400 Meter in Namsches Sportsbar. Die 5 Bier dazu kosten 20,- Euro. Ich trinke mit dem Australier, der sich aus den leeren Bierdosen einen Marihuana-Rauch-Aparat bastelt. Sieht professionell aus, der Thunfisch-Fischer könnte auch Erfinder und Tüftler sein. Leider sehe ich aber schwarz für seinen weiteren Aufstieg morgen. Wenn er so weiter macht, ist er der erste Trecker, der nicht an der Höhenkrankheit scheitert, sondern einfach weil ihm speiübel ist – wobei das ja auch irgendwie ein Symptom der Höhenkrankheit darstellt.

Die witzige Geschichte des Tages: Zurück in der Lodge treffe ich auf eine verschlossene Eingangstür. Klopfen! Fehlanzeige. Der Portier schläft. Also schmeiße ich Steine an unser Fenster und hoffe, dass Jakob mich hört. Fehlanzeige. Da draußen schlafen wegen erbärmlicher Kälte leider ausfällt, werde ich zum ‚Einbrecher‘ und drücke ein Fenster im Erdgeschoss auf. Hoffentlich ist der Nepali weiterhin tief und fest am Schlafen und verprügelt mich nicht gleich mit einem Bambusstock. Läuft. Im Zimmer begrüßt mich ein putzmunterer Jakob. „Hast Du die Steine nicht gehört“ – „Doch aber ich war schon im Schlafsack und dachte nicht, dass es für mich ist!“ Hä? Wer sollte unabsichtlich Steine an Dein Fenster schmeißen und Dich nicht meinen! Junge, Junge, Junge.

Tagesetappe 14: Noch ein Ruhetag Namsche

Die Höhenkrankheit ist zurück – oder leide ich etwa nach 5 Bier tatsächlich an einem Kater? Mir brummt der Schädel. Beim Frühstück muss ich allerdings schon wieder schmunzeln. Der Chef des Australiers informiert gerade seinen Guide und die Träger: „Wir haben gerade herausgefunden, dass Daniel (der Australier, NICHT ich) mehr vom Saufen hält als vom Laufen. Er wird heute umdrehen!“ Ordentlich, es gibt jemand, der noch früher abgebrochen hat als ich.

Was ist sonst so passiert: Nach knapp 10 Tage Verstopfung überspringt meine Darmfunktion heute den Normalzustand und geht direkt in Durchfall über. Das beschränkt meinen Bewegungsradius extrem und ich bewege mich nicht weiter als 10 Minuten von der nächsten Toilette weg. Auf der Terrasse der Lodge ist es aber auch schön und mit dem Kindle lässt es sich in der Sonne ausgezeichnet Lesen. Urplötzlich ist auf einmal mein Kindle nass! Eine weiß-gelbliche, zähe Flüssigkeit läuft über mein Display. Oh nein, wurde ich schon wieder von einer Taube angekackt? Moment, nicht auf 3.400 Meter. Als ich nach oben schaue, sehe ich nur ein offenes Fenster. Das war keine Taube. Das war ein Nepali! Ich wurde tatsächlich von einem aus dem Fenster spuckenden Nepali getroffen. Okay, die spucken hier wirklich überall hin und holen dabei alles aus sich raus. Aber wenn ich aus dem zweiten Stock spucke, könnte ich doch wenigstens schauen, wer unter mir sitzt! Damn!

Die witzige Geschichte des Tages: Die nepalesischen Messer sind so scharf, dass ich während meines ganzen Abendessen über aus Versehen mein Messer falsch herum gehalten habe…und das ohne merklichen Unterschied zur korrekten Haltung und gänzlich ohne Schnittwunde.

Tagesetappe 15: Namsche – Gath (5 Stunden)

5 Tage Namsche sind genug. Heute geht es wieder bergab bis Gath, was bereits kurz vor Lukla liegt. Ich nehme die Landschaft auf umgekehrtem Weg nochmals komplett anders wahr als bei unserem Aufstieg. In einer Lodge in Gath angekommen, dürfen wir unseren Tee bei Didi in der Küche trinken. Ihre Kinder sitzen mit uns am Esstisch, ihr Mann bastelt am Ofen und Didi schenkt uns bereits bei halb leerer Tasse wieder typisch nepalesischen Milchtee nach. So scheint es laut Jürgen früher überall gewesen zu sein. Mittlerweile ist es eher die Regeln, dass Tourist im Dinning Room und Nepali in der Küche sitzen. Schade eigentlich, denn es ist wirklich schön, Didi und ihren Kindern beim Kochen zuzuschauen.

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Mein Freund Harka
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Didi’s Küche
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Unser Weg

Am Abend sitze ich mit Harka und Punscha am Ofen im Dinning Room als gegen 20:00 Uhr noch eine Gruppe Israelis anreist. Jürgen & Co sind schon am Schlafen. Die Israelis liefen 2 Stunden durch die Nacht auf der Suche nach einer Lodge und Didi nimmt sie freundlich auf. Jedoch anstatt dankbar zu sein, beginnen sie bereits nach kurzer Zeit heftig mit ihrem Guide zu streiten und weigern sich ein Abendessen zu bestellen. In der Regel sind die Zimmerpreise zwischen kostenlos und 2,- Euro. Dafür erwartet die Didi aber auch, dass in ihrer Lodge gegessen wird und man sich respektvoll verhält. Beides scheint diese Gruppe zu ignorieren und ich erlebe zum ersten Mal einen wütenden Nepali. Didi’s Mann ist kurz davor, die ignoranten Israelis um 20:30 wieder vor die Tür zu setzen. Jürgen sagte mir bereits, das Israelis in Nepal nicht den besten Stand haben. Es hat absolut nichts mit Antisemitismus zu tun, Buddhisten und Hindus respektieren jede Form anderer Religionen. Vielmehr existiert für diese Volksgruppe der Stereotyp eines überheblichen und geizigen Menschen, der die Nepalis nicht auf Augenhöhe behandelt. Ich selbst habe während der ersten 15 Tage davon nichts bemerkt, bzw. konnte bei respektlosem Verhalten nicht zwischen Volksgruppen unterscheiden, dennoch gibt es hier spezielle Vorbehalte speziell gegen Israelis.

Was ist sonst so passiert: Mit meinem speziellen Freund Harka unterhalte ich mich immer mehr und erfahre sehr viel über sein Leben als Porter für Touristen, seine Familie und seine Zukunftsperspektiven. Er ist in der Tat einer der wenigen Porter, der selbstständig und weitsichtig versucht, Englisch zu lernen und sein Leben somit zu verbessern. Ich trete natürlich voll ins Fettnäpfchen, als ich anbiete, ihn bei dem Unterfangen ‘Learning English’ zu unterstützen indem wir regelmäßig in E-Mail Kontakt bleiben und ich sein Englisch korrigiere – er kann weder Lesen noch Schreiben, auch nicht Nepalesisch. Seinen Kindern geht es nicht anders, seine Söhne besuchen staatliche Schulen mit nur mangelndem Englischunterricht – ihre Zukunftsperspektive: Träger für Touristen. Mit 4 Kindern, einer Frau und ständig steigenden Lebenshaltungskosten kann Harka sich schlichtweg keine bessere Bildung für seine Kinder leisten. Schuluniform und Essensgeld erschöpfen sein Budget. Wie gut wir es doch in Deutschland haben. Ich biete Harka daher an, die Kosten einer Privatschule für seinen ältesten Sohn teilweise zu übernehmen. Er hat Tränen in den Augen. (Lies mehr über mein Patenschaft-Projekt für den 8-jährigen Tilok und unterstütze uns). Zusätzlich plane ich eine Rückkehr nach Nepal im Frühjahr 2015, um an einer der Schulen für einige Wochen Englisch zu unterrichten.

Die witzige Geschichte des Tages: Jetzt wo wir alle wieder vereint sind, können wir auch die gute Tradition der Katadyn in den Getränken wieder aufnehmen. 5 Tage ohne Regeln sind aber sich genug 😉 Mich würde interessieren, was die Didi wohl sagen würde, wenn Jürgen in ihrer Küche in ihren Pot auch eine Katadyn wirft.

Tagesetappe 16: Gath – Lukla (2,5 Stunden)

Kurz zusammengefasst: Umspektakulärer Tag und mieses Essen. In Lukla, quasi der größten Stadt in den Bergen bekommen wir das schlechteste Essen seit 16 Tagen. Den klumpigen Milchtee lassen wir gleich direkt zurückgehen, den ranzigen Pommes und nicht getoastetem Club-Sandwhich gebe ich eine Chance, wartete ich immerhin 60 Minuten darauf. Hätten sie die Pommer aus Kathmandu einfliegen lassen, es hätte nicht länger gedauert (Flug 25 Minuten)….und sie wären sicher auch nicht schlechter oder älter gewesen. Mitte des Essens finde ich auch noch Haare auf dem Teller, naja, Augen zu und durch. Zu allem Überfluss regnet es auch ununterbrochen und wir können keine spektakulären Landungen als Zuschauer verfolgen.

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Das gemeinsame Abschiedsabendessen beginnt entspannt und fröhlich. Es gibt Dal Bhat Power für Alle, ein letztes Mal. Danach kippt jedoch die Stimmung als unser Super-Giga-Guide sein Kuvert mit dem Trinkgeld für die Tour bekommt. Er ist unzufrieden, holt ein neues Kuvert an der Theke und will uns auffordern, mehr zu geben. Zumindest deute ich seine Zeichensprache so, Englisch kann er ja nicht! Wie ich über Harka herausfinde, hätte er gerne mindestens das Vierfache! Junge, hast Du beim Australier an der Gras-Dose gezogen oder haben sie Yak-Dung in Dein Dal Bhat gemischt? Was ist los mit Dir? Welche Leistung rechtfertigt überhaupt ein Trinkgeld? Als ihm klar wird, dass seine Chance auf eine Erhöhung so wahrscheinlich ist, wie das Schalke jemals wieder Deutscher Meister wird (sorry Jürgen, is aber so), verschwindet er wortlos.

Was ist sonst so passiert: Ich sehe einen YakDonalds in Namsche und hoffe auf einen leckeren Burger trotz unseres Fleischverbots – leider ist es nur ein Tante Emma Laden mit Pringels, Snickers & Co.

Die witzige Geschichte des Tages: Jürgen gibt nen Drink aus, Alkoholverbot endgültig aufgehoben: Nepalesischen Whiskey mit traditionell heißen Wasser. Nicht parallel, sondern gemischt. Ich wünsche mit das Alkoholverbot zurück!

Tagesetappe 17: Lukla – Kathmandu (4 Stunden)

Zum vereinbarten Zeitpunkt ist unser Super-Guide natürlich nicht vor Ort. Zum Glück hat Jürgen unsere Flugbestätigungen, jedoch befindet sich Harka’s Gepäck eingeschlossen im gemeinsamen Zimmer. Harka hat vor der Tür geschlafen. Ersatzschlüssel? Gibts in Nepal nicht! Bolzenschneider? Was ist das! Schraubenzieher? Brecheisen? Nichts! Wir müssen ohne Harka’s Gepäck zum Flughafen, wir sind schon 30 Minuten verspätet und wurden auch prompt von Flug 1 auf Flug 5 umgebucht – Danke Super-Guide, jetzt hätte ich sogar gerne das gegebene Trinkgeld zurück! Letzten Endes taucht er mit Harka’s Tasche kurz vor Abflug auf. Glück gehabt.

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Ankunft in Lukla

Was ist sonst so passiert: nichts

Die witzige Geschichte des Tages: Der Flughafen ist ein Ding für sich. Ablauf Sicherheitskontrolle: Ich stelle mich mit meinem Ticket an der Schlange zur Kontrolle an. Das Ticket hat weder Namen noch Ausweisnummer noch sonst irgendein Erkennungszeichen. Mit Kugelschreiber ist einfach eine große 5 drauf gezeichnet, was bedeutet, ich darf in die fünfte Maschine. Ich laufe durch eine Art Metalldetektor. Eine Art daher, weil es sich nur um ein grau gestrichenes Plastikgestell ohne jegliche Funktion handelt. Die eigentliche Sicherheitskontrolle ist danach. Ein verantwortungsvoller, nepalesischer Polizeibeamter widmet sich mir: “Do you smoke? Lighter” (Rauchst Du, Feuerzeug?) – “No” – “Really not?” (Wirklich nicht?) – “No” – vertrauensvoll blickend “Come on, say really!” (Komm schon, sags ehrlich!) – “No, no smoke, no lighter!” – “Okay, go!” Völlig unmöglich durch diese Sicherheitskontrolle etwas zu schmuggeln. Das müssten schon ganz ausgefuchste Personen sein. Kurz darauf erfahre ich, dass Bernd tatsächlich sein Feuerzeug abgegeben hat, nachdem der Beamte zweimal nachfragte und ein treudoofes Gesicht aufsetzte. Ich schmeiß mich weg!

2 Stunden später sind wir in der Luft und auf dem Weg zurück nach Kathmandu! Grandiose 17 Tage gehen vorüber und es wird wohl selbst auf meiern Weltreise eine einzigartige Erfahrung bleiben. Speziell die vielfältige Natur, die teilweise extremen Bedingungen sowie der Verzicht Alltagsgewohnheiten (bspw. 17 Tage weder duschen noch rasieren) machen es zu einem besonderen Erlebnis. Falls Du selbst Lust auf eine solche Tour bekommen hast, Jürgen bietet im nächsten Jahr wieder 3 Touren zwischen Oktober und Dezember an. Besucht einfach mal seine Homepage. Neben detaillierten Ablaufplänen und strengen Regeln 😉 findet ihr bei Jürgen eine wirklich höchst professionelle Organisation und Ihr könnt Euch in den Bergen in guten Händen fühlen. Jederzeit wieder mit Jürgen Sedlmayr, Expedition-Adventure.   

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Base Camp Trek – Teil 1

3 Comments

  1. Ich kenn die Gegend nicht, wünsche mir aber sie irgendwann bereisen zu können..Ich hab den Link durch Bernd Gauly und schreibe nur ,weil es mir ein Bedürfnis ist zu sagen, dass der Text sehr ansprechend geschrieben ist.Es macht Spaß, ihn zu lesen und man geht ein STück den Weg mit…und kriegt Lust, selbst diese Tour zu machen.

    1. Hi Anke, vielen Dank für das nette Feedback, sowas freut einen Blogger.
      Hoffe Du schaffst es einmal in die Gegend. Es lohnt sich.

  2. Buenisimas las fotos, las utilizaré como fondo de pantalla y asi tirarme el rollo 🙂
    Me alegro de comprobar que lo estás disfrutando!

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